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WK-TRENDS
2009-2011

Wo steht die deutsche Wissenschaftskommunikation heute, angesichts fundamentaler Veränderungen im Mediensystem, zwei Jahre nach der Finanz- und Wirtschaftskrise? Was sind aktuell die größten Herausforderungen, welches viel versprechende Lösungswege? Umfassende Fragen wie diese untersucht eine umfangreiche, vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft geförderte Trendstudie unseres Forschungszentrums. Betrachtet werden dabei alle drei Perspektiven der Wissenschaftskommunikation sowie deren gegenseitige Einflüsse aufeinander – Journalismus, PR und innerwissenschaftliche Kommunikation. 

 

Die 2011 abgeschlossene 1. Trendstudie Wissenschaftskommunikation (Projekt-Webseite: wk-trends.de)
basiert auf drei Säulen:

1) Branchen-Umfrage:
Eine standardisierte, schriftliche, anonyme Befragung wertete die Einschätzungen von sechs Gruppen im Bereich Wissenschaftskommunikation aus: PR-Kolleginnen und PR-Kollegen, fest angestellte Journalisten, freie Journalisten, Mitarbeiter aus dem Bildungs- und Eventbereich, Wissenschaftler sowie Experten, die sich in Forschung und Lehre mit dem Thema Wissenschaftskommunikation befassen. Dieser Teil der Studie wurde Ende 2009 abgeschlossen.

 

2) Delphi-Studie:
Die in der Umfrage identifizierten Herausforderungen wurden daraufhin von 30 der renommiertesten Experten aufgegriffen: Sie entwickelten in zwei Befragungs- und mehreren Diskurs-Runden hunderte von Prognosen und Thesen für die zukünftige Entwicklung der Wissenschaftskommunikation.

 

 

3) Meta-Analyse:
Aktuelle Forschungen zur Wissenschaftskommunikation wurden in einem Überblick zusammengestellt und verglichen. Außerdem wurden außerdem quantitativ Daten zu Auflagenentwicklung (siehe Ergebnisse) und PR-Aktivität erhoben und ausgewertet.

 

Ausgehend von einer Bestandsaufnahme unter gut 300 befragten Wissenschaftskommunikatoren diskutierten 30 Experten aus Wissenschaft und Praxis im Rahmen einer Delphi-Studie mögliche Lösungsansätze. Demnach bricht – historisch betrachtet – gerade die fünfte Entwicklungsphase der Wissenschaftskommunikation an: von den Utopien der 50er Jahre über die frühen Aufklärungskampagnen und die mit zunehmender Kritik auch immer umfassendere Wissenschaftsberichterstattung bis hin zum »Public Understanding of Science and  Humanities« (PUSH) und nun ein weiteres Mal die Suche nach neuen Strategien und Formaten für den Paradigmenwechsel, der ebenso viele Hoffnungen wie Ängste weckt bei Wissenschaftlern und Pressesprechern, Agenturen und Lobbygruppen, Verlagen und Journalisten sowie nicht zuletzt eine neue Erwartungshaltung des so genannten Laienpublikums.
 

Die Trendstudie ist als Buch erschienen (ISBN: 978-3-9814811-0-5) und kann hier versandkostenfrei bestellt werden.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft stellt in den kommenden Tagen eine kostenfreie, komprimierte E-Book-Version zur Verfügung.

>> Pressemitteilung vom 13.10.2011


Zu den wichtigsten Ergebnissen der Trendstudie zählen die folgenden 4 Trends und Bedarfsfelder:

1.)  Das Netz als neues Leitmedium der Wissenschaft
Klassische Ansätze zur Vermittlung und Aufbereitung greifen immer öfter zu kurz. In der Wissenschaftspublizistik gibt es erste zaghafte Ansätze, diesen Veränderungsdruck für Innovationen zu nutzen – Recherchetechniken, interaktive Formate, Netzwerk-Distribution und angepasste Geschäftsmodelle sowie ansatzweise Investigation. In der PR ist ein immenser Beratungsbedarf entstanden, wie mit den durch das Web 2.0 entstehenden Chancen und Risiken umzugehen ist. Wissenschaftler müssen in Aus- und Weiterbildung deutlich besser auf den direkten Dialog vorbereitet werden. Außerdem stellen sich gesamtgesellschaftlich drängende Fragen der Informationskompetenz, denn die Kehrseite des Web 2.0 ist eine Verengung des wahrgenommenen Meinungsspektrums (Stichwort »Schweigespirale«).

2.)  Durch Transparenz zu einer neuen „Kultur der Kommunikation“
Die ganze Bandbreite gesellschaftlicher Gruppen soll künftig im Sinne einer »Scientific Citizenship« einbezogen werden. Hierfür muss die noch immer vorherrschende mediale Konzentration auf Forschungs-Ergebnisse mit neuen Formaten aufgebrochen werden, die authentischer zwischen ergebnis- und prozessorientierter Perspektive hin- und herschalten. Auch die Wissenschaft selbst ist jedoch gefordert, die Relativität des von ihr erzeugten Wissens transparenter zu machen.

3.)  Selbstverständnis und Anforderungsprofil des „Kommunikators“ wandeln sich zum Mediator
Eine nachhaltige Wissenschaftskommunikation geht schon heute weit über die »Verpackungsindustrie« klassischer PR hinaus. So wird sich Vermittlungsleistung künftig stärker daran bemessen, ob auch innerhalb der eigenen Institution die Puzzleteile transdisziplinär zusammengesetzt werden, anstatt bloß Projektergebnisse zu verbreiten oder Markenpflege zu betreiben. Dies ist vor allem eine Herausforderung für die PR-Aus- und Weiterbildung. Statt die eigenen Themen durch verengte Informationskanäle zu zwängen, ist ein »Agenda Surfing« auf gesellschaftlich-politischen Wellen gefragt. Als Kehrseite der PR-Professionalisierung wird es künftig außerdem immer wichtiger, koordiniert und kooperativ zu kommunizieren.

4.)  Grundlegende systemische Veränderungen
Die geltenden Kriterien für Mittelvergabe, Evaluation und Berufung berücksichtigen die Kommunikation der Forscher mit einer breiten Öffentlichkeit kaum. Neue Anreizsysteme müssen erwogen werden, die eine »Kultur der Kommunikation« als Katalysatoren fördern. Eine der größten Herausforderungen liegt hierbei in der Mess- und somit Vergleichbarkeit von Kommunikationsleistung. Dies wird mittelfristig zu einer Debatte über Normen und standardisierte Ergebnismessungen führen sowie kurzfristig spezielle Audits erforderlich machen.


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