DEBATE 2.0
Wie gefährlich ist die Konzentration von »Bisphenol-A« in Babysaugern? Was weiß man wirklich darüber, wann Vulkanasche für Flugzeugtriebwerke gefährlich wird? Welche Evidenzen haben wir dafür, dass Spekulanten auf dem Finanzmarkt die Währungskrise in der EU wirklich mit angeheizt waren – und nicht bloß »Überbringer schlechter Nachrichten« waren, durch die das Ausmaß staatlicher Misswirtschaft in den EU-Ländern erst so dramatisch sichtbar wurde?
Die ehrliche Antwort auf viele solcher Fragen lautet: Wir wissen es nicht. Dennoch sollte der Verweis auf die Unsicherheit keine Entschuldigung dafür sein, verfügbares Wissen schlicht nicht zur Kenntnis zu nehmen. Nicht wissen, das heißt nämlich oft auch: Vorhandene Informationen werden nicht genutzt, weil sie einfach zu verstreut sind. Selbst Experten haben oftmals Mühe, auch nur einigermaßen den überblick zu behalten. Umso mehr gilt dies für die breitere Öffentlichkeit. Um im Diskurs gesellschaftliche und politische Themen mit wissenschaftlichem Hintergrund trotz aller Komplexität überschaubar und zugänglich zu machen, arbeitet das innokomm-Projekt »DEBATE 2.0« an einem neuen Format moderierter und visualisierter Online-Debatten. Dabei werden Forscher, Journalisten und politische Interessengruppen gezielt angesprochen und zur Teilnahme eingeladen. Indem die Darstellung auch kontroverse Standpunkte zulässt und abbildet, wird nicht nur der aktuelle Erkenntnisstand deutlich, sondern auch der ganze »Trial-and-Error«-Prozess des »Wissenschaffens« wird strukturiert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben den »offiziellen« Experten hat im Grunde genommen jedermann die Möglichkeit, Argumente und Evidenzen einzubringen.
Präsentation auf der SciCom 2010 (Wien, November 2010):
Präsentation auf der Baltischen Konferenz für Wissenschaftskommunikation (Tallinn, Oktober 2010):
Präsentation auf der EU-Konferenz "Media for Science" (Mai 2010):
Vortrag zum Projekt an der Stanford University im Rahmen des Weltwirtschaftsforums (Juni 2010):
Das Projekts ist dreistufig aufgebaut:
1) DEBATE 2.0 arbeitet mit neuen Techniken der Online-Deliberation. Gemeinsames Ziel dieser Techniken, die von internationalen Projektpartnern entwickelt werden, ist es, bekannte und empirisch belegte Formen diskursiven Fehlverhaltens in Online-Diskussionen zu beheben. Daher gilt es, empirisch zu untersuchen, wie sich, abhängig von konkreten Kontexten, bestimmte Eigenschaften und Voreinstellungen von Online-Deliberations-Technologien auf gewünschte Resultate auswirken. Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse hierüber sind vergleichsweise verstreut und werden in einem interdisziplinären Ansatz zusammengeführt. Ein erster Schritt in diese Richtung wird es sein, die technischen Unterschiede verfügbarer Software-Werkzeuge (s.u.) systematisch auf ihre Eignung für verschiedenen Usecases hin zu analysieren.
2) Für öffentliche Diskurse über Wissenschaft, Technologie und Innovation werden neue Methoden und redaktionelle Formate entwickelt und getestet. Dabei werden etablierte Methoden für Kooperationsmanagement und Gruppenmoderation übertragen auf den Bereich der Online-Deliberation. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass dieser neuartige Diskurs qualifizierte Moderatoren braucht, die in erster Linie über journalistische Qualifikationen verfügen müssen.
3) Die anschließende Umsetzung der erarbeiteten Methoden ist Bestandteil des Projekts. Hierfür suchen wir aktuell Umsetzungspartner.
Die Vision dieses Projekts, an der wir gemeinsam mit etlichen Forschungspartnern arbeiten, hat jüngst Mark Klein (Principal Research Scientist am MIT Center for Collective Intelligence) sehr treffend beschrieben: "Today, governmental policy-making is complex, cumbersome, and slow. Experts can talk past each other, while experts and policy-makers have unproductive conversations. News media summaries are necessarily incomplete [...] Imagine [...] a new kind of on-line forum [...], used around the world, by [...] experts, policy analysts, legislators, and concerned citizens."
Erste Ergebnisse des projekts wurden auf der EU-Konferenz "Media for Science" präsentiert. Die Einsatzmöglichkeiten der beschriebenen Werkzeuge wurden dort bereits experimentell demonstriert, unter anderem mit Diskussions-Karten zur Frage "Communication failure or information deficit: Is there really such a thing like this?". Teile der Konferenz (u.a. "Web 2.0 and new trends in science communications") wurden durch Dialog-Karten rekonstruiert. Ebenso haben wir das offizielle Abschlussdokument der EU-Konferenz als Dialog-Karte aufbereitet. Zum Prototypen gibt eine Dokumentation als >> pdf.
Für den deutschsprachigen Raum ist zwischenzeitlich die Internetplattform debattenprofis.de an den Start gegangen – eine redaktionell betreute Online-Plattform für Experimente mit visualisierten Debatten. Zielgruppen der Plattform sind Wissenschaftler und Wissenschaftsorganisationen, Journalisten, themenspezifische Interessensgruppen sowie die allgemeine Öffentlichkeit.
Unterstützt wird das Projekt bislang u.a. von:
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Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
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Max-Planck-Gesellschaft
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Leibniz-Gemeinschaft
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Fraunhofer-Gesellschaft
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Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (AG Gentech)
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Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
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Wissenschafts-Pressekonferenz (wpk)
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Verband der Wissenschafts- und Technikjournalisten (TELI)
Das Projekt kann außerdem auf den wissenschaftlichen Rat von Prof. Dr. Gary Schaal (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) und Prof. Dr. Dieter Rucht (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) zurückgreifen.
Sollten Sie Anknüpfungspunkte zu diesem Projekt sehen, zögern Sie bitte nicht uns zu kontaktieren:
debate-20 [at] innokomm . eu
Projektleitung: Dr. Ralf Grötker
Redaktionelle Mitarbeit: Sascha Karberg

